Ich gestehe, ich will alles
niederreissen, was geht und nicht wiederaufbauen. In all diesen Gesichtern
steht geschrieben, was kurz bevorsteht. Der Untergang der Menschheit. Eine
degenerierte Rasse voller Verwirrung, die sie selbst nicht mehr reflektieren kann.
Sie haben es nicht verdient, weiter zu existieren. Doch da ich zu feige bin,
einen nach dem anderen zu töten, geschweige denn einen Massensuizid zu
organisieren, bleibt meine einzige Opfergabe mein eigenes erbärmliches Leben
voller Selbsthass und grossen Träumereien, die nie erreicht werden können. So
regnet es Pamphlete an Ausgediente, an Erzeuger und Geschwister, damit mich
immerhin diese hören und schockiert sein können ab dieser wahnsinnigen Show, die
ich hier vorführe. Und auch hier wird die Genialität meiner Ausdrucksweise
verkannt und auf deren Spitzen reduziert, die der Stilistik dienen. Ausgeburten
der Hölle, die sich durch meine Finger in die kalten Herzen von Prägungsobjekten
bohren, um sie dann doch nur ein wenig zu verletzen, ohne dass dabei eine
nachhaltige Wirkung erzielt würde. Wie nur erlaube ich mir selbst, weiter zu
existieren, wenn ich mit jeglichen Abhängigkeiten breche und so gar meine
überlebenswichtigen Zahlen verlieren könnte? Selbst ich kann mir diese Frage
nicht mehr beantworten. Für den Markt bin ich zu schwach, für die Revolution auch,
geschweige denn für die Kunst, die mich solange noch am Leben hielt, um dann gegen
Ende doch noch den Stecker zu ziehen. Sollen all meine Texte doch als Geist vor
sich hinvegetieren, um dann vielleicht doch noch von einer fremden Stimme
vorgetragen zu werden. Ich werde es nicht schaffen. Hier beginnt die
Abschiedstournee einer einsamen Existenz, nur für euch, die nicht vorhandenen
Leser, die mir stets treu waren. Leider seid ihr nie auferstanden und habt euer
Idol vielleicht in jemand anderem gefunden. Vier Monate voller Abgründe und Hintergrundinformationen
werde ich euch hinterlassen. 108 Weisse Ungetüme, die versteckt bleiben und
alles fressen, was ihnen zu nahekommt. So mögen nun die letzten entstehen. Heisser
Brei ohne echte Farben, auch diese Beschreibung trifft auf mein Ende zu, das
hier dokumentiert wurde. Ich wurde bereits bei der Geburt gebrochen, doch
konnte es mir bis jetzt nicht eingestehen. Schon als Kind lenkte ich mich von
dieser Tatsache ab, indem ich meine Rachegelüste an Spielfiguren ausliess, die
nicht meine Heiligkeit darstellten. Alle ausser der meinigen mussten sterben. Ich
folge ihnen schon bald. Der lange Weg in die Hölle liegt bereits hinter mir.
Nur noch ein Schritt, ein knapper Monat und ausführliche Erklärungen für mein
Ableben liegen noch vor mir. Voller Verachtung hebt ein Meister seine Mittelfinger
für eine doppelte Verabschiedung für alle, die mich hierhertrieben. Es dürfen
sich alle angesprochen fühlen, die ich kenne. Da unterscheide ich nicht mehr
wirklich. Ich gehöre nur den einen wahren Club an, der euch kaum drei
Jahrzehnte aushielt und so erst entstand. Dies ist euer Erbe, die ihr bald eure
Heimat verliert, die ihr in Kolonien aufteiltet und so jeglichen Bezug zur
Realität verloren habt. Verständlich, denn sie ist zu schrecklich. Die Raten
des Suizids offenbaren es euch. Ein tödliches Gift hält euch am Leben und die
Arroganz tötet euch. Eure Dummheit tötet euch ebenfalls, wie auch eure
Illusionen einer guten Welt. Und Mutter Natur sticht euch zum Schluss ihr Messer
in euren Bauch und flüstert euch ins Ohr, wie sehr sie euch verachtet für all
das Leid, das sie ertragen musste. Ich nehme ihr etwas Arbeit ab und vielleicht
ziehe ich ein paar mit in den Tod, um nicht völlig irrelevant zu bleiben. Folgt
mir, ich rufe euch dazu auf, alles hinter euch zu lassen und in das ewige
Nichts einzutreten, das ihr in diesem Leben nicht finden werdet. Schaltet euren
kopfinternen Computer aus und werdet Teil des ewigen Kreislaufes des Lebens.
Hier findet ihr die Sinnlosigkeit, ohne sie ertragen zu müssen. Ein Teil eines
friedlichen Planeten, der sich nicht fragt, warum. Der Code eurer Vernichtung
wurde bereits geschrieben und programmiert. Ich möchte diesem Spektakel nicht
mehr beiwohnen, da ich bereits genug Schmerzen gefühlt habe. Den Untergang
werde ich nicht mehr ertragen können. Verbrennt süss in eurer Hölle ohne
Nahrung und Luft, ohne Wasser und Obdach. Verreckt und schändet wenigstens
nicht meine Leiche, die ihr erst verwest finden werdet. So riecht eure Zukunft.
Anfang vom Ende. Schluss.
RvH, 11.10.2019, 23:41, 0082