Gib acht, mein lieber Junge, es ist
schon wieder soweit. Ein süffisantes Lächeln zeichnet sich auf des Meisters
Gesicht ab, der sich bereit macht, abermals Unmögliches zu schaffen. Er hält
sehr viel von sich selbst und macht sich daher nur bedingt Sorgen, heute zu
scheitern. Aber der Selbsthass oder vielleicht auch nur ein kleiner Ekel vor
sich selbst, dieser jedenfalls fühlt sich berechtigt, in seinem Kopf zu
existieren. Und er hat ja recht, ich bin nur ein depressiver Kiffer, der sich
zu viel vorgenommen hat und dies all die vorgegangenen Monate auch gemerkt hat.
Und wie soll es den erst sein, wenn mich der Markt wieder eingesogen hat?
Plötzlich wäre keine Zeit mehr, um all das zu schaffen und noch viel mehr, was
in meinem wahnsinnigen Kopf alles an Ideen entstehen. Die tatsächlichen Ideen
wurden gar zurückgehalten, um halbbatziges zu schaffen und raus zu scheissen.
Ich halte es dennoch für recht unterhaltsam zu lesen, aber vielleicht ist es
nur mein Narzissmus. Und dieser brächte neues Futter, um zu überleben, neue
Flammen, die ihn von innen verbrennen lassen, bis da nur noch ein Haufen Asche
übrigbleibt. Die Drogensucht, diese verfluchte Drogensucht, wie soll ich sie
nur wieder losbekommen? Zurzeit liegen keine Blüten neben mir und ich
bezweifle, genügend zu finden in kurzer Zeit, um dies hier zu schaffen. Also
befinde ich mich gerade in einem nüchternen Zustand, was viel zu selten
vorkommt und daher ist es schwer, die Ruhe zu bewahren. Doch zu viel Ruhe lässt
mich austrocken, was in diesem Moment gerade passiert. Alles in mir drin möchte
sich entweder hinlegen oder gleich losgehen, um die nötige kreative Energie zu
sammeln. Aber zumindest dieses eine Weisse Ungetüm muss noch in sein Ende
geführt werden, ansonsten bliebe mir nur die Verzweiflung. Beschissene
Grundvoraussetzungen für ein gutes Gelingen eines noch viel beschisseneren
Tages. Schaut doch nur mal raus. Seht ihr das? Wie, ich muss euch beschreiben,
was ich da sehe? Nebel. Irgendwas Weisses. Und ja, da draussen war ich gerade.
Und es genügt für eine kleine Zufuhr meines geliebten Krautes, das gerade neben
mir trocknet und ab Ende dieses Textes höchstwahrscheinlich gleich verarbeitet
und geraucht wird. Aber scheiss mal auf mich, reden wir lieber mal von unserem
Grossen Bruder, das Deutsche Reich, zu dem es sich immer mehr zurückentwickelt.
Bei kleinen Ländern ist ein so grosses Nazivorkommen zwar schädlich und
teilweise gefährlich für diskriminierte Menschen, doch wenn ein Land wie dieses
Reich dazu übergeht, die Machtpolitik braun zu färben, wird es schrecklich
enden. Und es gibt schlimme Leute in diesem Abschaum von Partei, die sich immer
mehr trauen und damit durchkommen. Sie können gar schon Rebellionen organisieren,
da sich die dümmsten und gewalttätigsten Pisser von ihnen angesprochen fühlen
und nur ein möglichst dominantes Herrchen suchen, die sie lenken. Es wird noch sehr
gefährlich werden. Und auf dieses beschissene Drecksland setze ich, wenn es um
meine finanzielle Unabhängigkeit geht. Ein einsamer Hinterwäldler träumt von
Freiheit und einem Leben als Vollzeitkünstler, doch wird sein Ziel nie
erreichen, weil die Nazis wiederkommen. Und wenn mich der Suizid doch noch
nicht holt, werde ich meine Kunst dennoch radikal durchziehen, was aber durchaus
von den falschen Leuten wahrgenommen werden kann. Daher könnte sich meine
Bewegungsfreiheit ungefähr auf das Level eines Flüchtlings einpendeln,
vermutlich gar in diesem kleinen beschissenen Drecksland geächtet und ständigem
Hohn ausgesetzt, dass ich es eigentlich auch gleich sein lassen kann. Solch ein
erbarmungsloses Leben muss gut überlegt sein. Aber ein ruhiges Leben wäre
unmöglich, ich ginge ein und schon bald raus. Vielleicht sollte ich mir mögliche
Konsequenzen nicht schon im Vornherein im Detail überlegen, nur sind manche
Dinge davon zumindest für die deutschen Kunstschaffenden durchaus mögliche Zukunftsszenarien.
Ich kann mich aus dieser angehenden Diktatur noch raushalten, andere müssten
erst rauskommen. Gerade in meiner Generation gibt es so viele geniale bis sehr
gute Leute, die keinen Hehl aus ihrer Weltsicht machen und gar aktiv sind. Wann
werden die ersten niedergeprügelt oder bedroht? Wann stirbt der erste? Düstere
Zukunftsaussichten. Will ich das wirklich? Ich bin noch unentschieden.
RvH, 31.10.2019, 13:57, 0101