Das Ventil muss durchdrehen wie ein
Ventilator, ansonsten werde ich es tun. All der Hass muss jetzt raus, es ist so
weit. Nur wenige Wochen bleiben mir noch. Die Linie des Todes naht, wie es bis
anhin nur der Winter konnte. So sehr wie ich unter Strom stehe und mich dadurch
ins Unermessliche erhitze, kann er mir nichts mehr anhaben. Nur noch diese eine
Line und mein Schicksal werde besiegelt. Dies ist allein meine Entscheidung,
kein noch so grosser Abschaum kann mich noch aufhalten, zu tun, was immer ich
will. Leben oder Tod, über den ich entscheiden kann. Sollte ich mich für das
Leben entscheiden, bliebe der Natur nichts mehr anderes übrig, als mir genug
Zeit zu geben, ansonsten wende ich mich von ihr ab und nehme ihr so ihre
gebündelte Energie in meinem Körper weg und lasse sie verenden. Diese tödliche
Landschaft des Satans ist selbst schuld, wenn sie mich schafft, ihr Erlöser
oder aber Zerstörer. Ihr Verschwörer gegen die Menschheit, die sich gegen ihren
Erschaffer stellte und ausnahm, diese Abnormalität des Überlebenskampfes kann
sich ihrer Bestrafung nicht mehr entziehen. Ihr Rächer steht schon bald vor
ihnen, ob als Spiegelbild oder als Mörder, dies liegt allein in meiner Hand.
Folgt mir, meine Schachfiguren dieses Planeten, ich zeige euch die Wahrheit, an
deren Existenz ihr nicht glaubt. Ich erlöse euch von eurer Verwirrung und ziehe
euch voller Gewalt in die Realität, die ihr Tag für Tag schafft. Meine Weisheit
kann nur ich selbst zitieren, ihr braucht lediglich nach ihr zu handeln. Meine
Befehle werden deutlich sein. So habt keine Angst zu versagen, ich bin ein
verständnisvoller Herrscher. Es ist einsam an der Spitze, von wo ich auf meine
Ländereien herabblicken könnte, mich jedoch einsperre, auf dass meine Folgschaft
nie entstehen wird. Ich male Bilder an die Wände meiner Träume und lasse sie im
Dunkel. Denn dies ist das einzig wahre Spiegelbild unserer Existenz. Ein
Planet, der sich von einem Virus erholt. Ich handle nach den Signalen von
Mutter Natur und übergebe ihr meinen leblosen Körper. Diese Zellen kann sie
sinnvoller nutzen. Ich stelle mich dem Winter und gehe mit den kommenden Viren
um, wie sie es mir vorlebt. Dies führt zu Niessen und Husten, sobald sie
bedrohlich in mich eindringen. So beginnt der Kampf, der spätestens zu Ende
geht, sobald es wieder warm wird. Ich werde also ewig in der Einsamkeit leben,
bis der Tod vorbeikommt und den Rest übernimmt. Schreckliche Bilder. Dafür will
ich mich freiwillig entscheiden. Ich bin nur ein Bastard, ein verzogener Bengel
aus der Mittelschicht, auf den alle herabblicken, wenn sie ihn überhaupt
wahrnehmen. Ein kleinlauter Bengel, der böse Worte sagt und sonst kaum was.
Möge mich mein Selbstmitleid auffressen und auf all die ungelesenen Schriften
scheissen, auf dass sie sich braun färben unter seinem Arsch. Süsser Vollidiot
ist jetzt tot. Reimerei jetzt vorbei. Dies Werk parodiert sich selbst. Es war
schon immer ein kleiner Zyniker, der für das Essenzielle blind war. Es hat sich
nur all die Jahre vor sich selbst versteckt. Nun offenbart es sich gegen Ende seines
Entstehens und geht voller Leidenschaftslosigkeit unter. Zwei Jahrzehnte an Lebenssaft
wird noch vergossen, sofern sie ihrem Meister noch kommen, und trocknen dann
aus. Seht in den Spiegel, der euch euren degenerierter Zustand offenbart. Eine
vereinsamte Künstlerseele hat es geschaffen. Glückseligkeit. Einsamkeit. Kein
Futter, um darum ganze Sätze zu bilden. Wenn es dann doch geschieht, dient es
lediglich der Parodie, die selbst auch nur aus Gründen der Füllerei entstand.
So nehmt doch endlich Abschied von mir, ihr imaginären Leser in meinem Kopf und
lasst mich in Ruhe meinen Platz in eurer beschränkten Gesellschaft verschwenden
und aufs Spiel setzen, um all mein Erspartes darin zu verlieren wie ein Nichtsnutz.
Ich verschwende Energie wie ein Heuchler. Doch ich beende mein Leben wie ein
King. Der einzig wahre King des Undergrounds, der nur dadurch zu diesem Titel erlangen
würde, wenn es nicht den eigenen Voraussetzungen widersprechen würde. Bis jetzt
habe ich noch keinen anderen gesehen, daher kann ich nur der einzige sein. Ich
habe es endlich geschafft, das wahre Ziel meines Lebens zu erreichen. Für immer
vergessen. Es stellt sich nur noch die Frage, wie es geschehen soll. Um diese Frage
weiter zu ihrem erhofften Ziel der Antwort zu bringen, bleiben mir noch genug
Seiten, auf denen meine Feigheit bekämpft werden kann, nicht nur in diesen
Belangen. So mögt mir weiter in den Abgrund folgen, meine nicht vorhandenen
Leser, und geniesst gemeinsam den nahenden Untergang meines Bewusstseins, das
euch letztendlich über dessen Ende im Trüben lässt, da es dem Prozess des
Schreibens widersprechen würde, und wärmt euch an einer Ahnung, an die ich euch
noch heranführen werde. Fortsetzung folgt.
RvH, 18.10.2019, 18:08, 0089