Auf der Datenautobahn

 
Zieht Ungetüm um Ungetüm vorbei, ohne dass die Landschaft, in denen sie sich befinden, sich grossartig ändert. Es sind alles Einöden von Beton oder steinigen Ebenen. Die wenigen Wiesen, die sich dazwischen befinden, sind von undurchdringbaren Gittern umzäunt, die sie vom restlichen, trostlosen Land abgrenzt. Es scheint in der Gegend eine Verschwörung im Gange zu sein, denn die 27 taucht ungewöhnlich oft auf, während Weisse Alte Ungetüme Satan anbeten, sexistische bis rassistische Begriffe verwenden und sich hinter einer ironischen Ironie verstecken, die nur von den Klügsten Subjekten des Abschaums durchschaut werden kann. Die anderen laufen in das offene Messer des Wahnsinns hinein und lassen sich von gezielten Manipulationen eines Frustrierten des Freien Marktes leiten. Er führt sie in sein Reich der Kolonien des Virus, die von Gonzo-19 - oder wie er sich auf den Streets mittlerweile nennt: GQNZQ-XIX - initiiert und infiziert wurden. Die Erzählung handelt vom klassisch misanthropischen Virus Mensch, der mittlerweile an einer ihn nachhaltig zerstörenden Krankheit erkrankt ist, die das optimale Mittelmass zwischen Gefährlichkeit und Heilbarkeit erlangt hat, um zusätzlich eine tiefgreifende Paranoia auf allen Seiten auszulösen. Die wenigen vernünftigen Zeitgenossen, die es noch gibt, werden entweder nicht gehört oder absichtlich falsch verstanden. Entweder wird ihnen unterstellt, sie wären Leugner des Virus und somit nicht rassistische Nazis oder, sofern sie ein Studium in einem medizinischen Bereich haben, das ihnen nicht aberkannt wird, werden ihre differenzierten Ansichten als Beweis verstanden, dass wirklich alles dicht gemacht werden müsste. Scheiss auf prekäre Lebensverhältnisse, scheiss auf ein nicht vorhandenes soziales Auffangnetz für die immer weiter in der Armut verwahrlosenden Menschen, denn der gute Mensch ist aufgeklärt ganz ohne Dialektik. Ein Prezident Zitat, dieser nationalsozialistischer Kritiker der Szene- bis Mainstreamlinken. Ihre Zeit ist mit Beginn von Corona endlich gekommen. Sie rasen seit einigen Jahren immer schneller auf der Datenautobahn von Twitter auf den restlichen Abschaum zu und verpesten diese mit ihrem kurzweiligen Dünnschiss, der selbst eine moderne Rapstrophe nicht zu füllen vermag - weder mit Quantität noch Qualität. Die einzige Frage, die sich der geldgeile Zyniker in mir noch stellt, ist, ab wann es ihm denn verunmöglicht wird, den Rhein zu überqueren, um dort sich eine zahlungskräftige Masse anzuerziehen. Er frug sich dies vermutlich noch vor der Pandemie, als der einzige Beweggrund für solch eine Frage nur die langsam anwachsende Nazipartei, die sich momentan lediglich halb in Deckung befindet, war. Gute alte Zeit. Sie wird es nur nicht überleben, wenn eine geschickter agierende Partei unerwartet um die Ecke kommt, um die Andersdenkenden nicht nur virtuell bis kulturell zu vernichten, sondern ganz real bis aufs Blut. Die Vorstufe des Faschismus ist offiziell erreicht, wie es die frauenfeindlichen Protagonisten des Podcasts Schroeder & Somuncu heute richtigerweise festgestellt haben. Noch befinde ich mich an einer gut versteckten Abzweigung der Datenautobahn, die so viele neue Möglichkeiten der Provokation & Irritation bietet, als es zu Gimmas Zeiten noch der Fall war. Bislang wurde dieser von mir als süsser, fetter und vor allem esoterischer Bauer abgetan, auch wenn der letzte Anteil möglicherweise doch nicht so schwer wiegt, wie im zweiten Ungetüm der Szene der dezenten Esoterik angenommen. Ein gewisser Anteil ist da, eine stellenweise Verschönerung der Realität und eine leichte Verkennung der Komplexität ebenjener Realität, aber ich musste mir eingestehen, als ich das Album Kartellmusig letztens zum ersten Mal komplett angehört habe, dass es gar nicht so schlimm und beschissen ist, wie ich gedacht habe. Dies soll lediglich als Korrektur einer zu einseitigen Abstrafung eines nicht zu leugnenden Vorbilds meinerseits sein, doch ich schweife ab. Wo ist denn der Eingang auf die überfüllte Datenautobahn, die mich direkt in den Sternenhimmel katapultieren soll, auf dass ich irgendwann noch schlimmer falle als ein wahnsinniger Bauer und sogar noch fetter verende, obwohl ich ungefähr zwei Köpfe kleiner bin? Der dritte rauchfreie Tag wird wohl wirklich nur mit einem übermässigen Konsum von meinem präferierten Zuckergetränk enden, aber ohne Alkohol, denn dies Gift ist Gift. Und um die niederen Absichten meinerseits zu verwirklichen, die als Doppelmittelfingergruss an den mich umgebenden Abschaum gerichtet sein wird, muss ich klar im Kopf bleiben, keine weiteren Gründe zur Beschwerde liefern, um sie wie weiter unten beschrieben, in das offene Messer laufen zu lassen. Muahahaha! Heil Satan! Der einzig wahre Führer!
 
- RvH - 27.04.2021 - 17:44 - 0345 -