Vorsätze vor Sätze

 
Nun folgt die Leere, die Panik vor dem morgigen Tage, eine Hure, die behauptet, in ihren Armen bekäme ich die Wärme, der ich unfreiwillig entsagt habe. Ihr Name lautet Nüchternheit. Im Gegensatz zum High des Wundersamen Krautes verspricht sie eine vollkommene Sinneswahrnehmung, statt einer stumpfen Intensivierung davon. Doch meist bleibt nur die Depression übrig, die einem entweder auffrisst oder zu unsinnigen Taten verleitet, um sie im Rauch oder Gift untergehen zu lassen. Entweder meldet sie sich am nächsten Morgen unausgeschlafen oder geht direkt zur Aggression & Frustration über, auf dass ich vor Panik aufschreie und mich auf den Weg nach Linderung meiner Schmerzen mache. Ich weiss also sehr genau, was mich morgen erwartet, wenn der letzte Nazi-G-Drink getrunken wurde und ich mich im Sinne der Dritten Dekade einem gesünderen Lebensstil unterwerfe. Dabei ist dieser - abgesehen von Gras, Red Bull und gelegentlich Gift - schon recht gesund, aber der Rauch nagt an Lunge & Kondition und der Zucker übernimmt den Rest. Und das Gift fickt durch eine einmalige Zufuhr die nächsten Tage. Ich werde alt und will so spät noch ein King werden? Ernsthaft?! Ja, denn ansonsten hätte ich niemals die Kraft, auch nur einen einzigen Tag, eine einzige Stunde nüchtern zu bleiben. Es wird Zeit. In zwei Wochen werde ich entweder 30 oder tot. Hätte ich damals vor zwanzig Jahren nicht gedacht, dass es so lange dauert, bis ich mal was hinbekomme. Zwölf war die erste Deadline - zugegebenermassen völlig unrealistisch - und die Linie des Todes wurde aufgeschoben und aufgeschoben, bis sich der Club 27 gemeldet hat. Sie hätten da einen kaum lukrativen, aber dafür einen tagesfüllenden Auftrag für mich, um ihren Mythos angemessen zu würdigen. Erst war da nur ein Titel, der mich vor die Wahl stellte und mit der Zeit erwuchs daraus eine wahnsinnige Idee - siehe unten. So kann es weiter gehen, diesmal aber nüchtern. Vielleicht sogar die gesamte restliche Saga hindurch. Wäre angemessen in Anbetracht meiner über zehnjährigen Suchtphase. Ich wollte ohnehin mal für mehr als ein Jahr - nicht bloss ein, zwei Monate, wie unter bestätigungssüchtigen Spastis üblich - auf jegliche Drogen verzichten - bis auf LSD bei Gelegenheit - und in Anbetracht all dieser bekiffter Schriften ist es angemessen, wenn der Rest bei klarem Verstand entsteht. Deal? Deal! Und sollte es rein technisch machbar sein, einen möglichen LSD-Trip zu dokumentieren - wie schon zu Beginn dieser Schande angekündigt - dann werde ich dies tun. In Bezug auf Gras bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als auf die Vorstellung zu verzichten, nur noch sogenannte Gourmet-Joints einzusammeln, die nicht sauber fertiggeraucht wurden, um über einen längeren Zeitraum unterschiedlichste Sorten beisammen zu bekommen für das ultimative High. Oder ich bewahre sie im Sinne eines herausfordernden Selbsttests so lange auf, bis die Saga zu Ende geht, um dieses high as fuck abzufeiern. Und als absolute Notfallmedizin, sollte sich ein Kopffick nicht anders lösen lassen. Diese Option ist mit Vorsicht zu geniessen, da ein Junkie schnell wieder in dieselben Muster verfällt. Lieber hemmungslos Wixen und einen neuen Tagesrekord aufstellen. Keine Ahnung, wo dieser derzeit liegt. 999 Weisse Ungetüme liessen keinen Platz für Sieger. Sie ebnen für ihn den Weg hin zu einem global anerkannten Meister der Zeremonie, Revolutionär der Literatur und Manipulator der Medien. Zu viel Ego kann auch zu einer Sucht werden, aber zumindest treibt sie mich an im Gegensatz zu bisher präferierten Drogen. Ich brauche Kokain! Wie sonst soll ich all die guten Vorsätze für mein Leben umsetzen können, wenn mir nur die Restenergie eines langsam verwesenden Körpers bleibt? Eben. Oder vielleicht doch lieber ins Social Media Game voll einsteigen und einen Shitstorm nach dem anderen generieren. Vielleicht die bessere Option. Ja, doch, ich entscheide mich für Ego & Social Media, die in Kombination eine Kunstfigur schaffen, die nur scheinbar auf Kokain ist. Kingshit. Was es auch noch abzufackeln gilt, ist dies Auto inklusive Besitzer, der die Türen jeden beschissenen Abend zuknallt und wieder aufmacht und wieder zuknallt, bis zum Schluss jede einzelne Tür aufgemacht und kurz nacheinander wieder zugeknallt werden. Ok, so schlimm wie bei diesem ersten Entzugsversuch in diesem verfluchten neuen Heime war es bislang nicht mehr, aber auch nur, weil er vermutlich gehört hat, wie ich jedes Mal die Fenster zugeknallt habe, wenn er es mir vorgemacht hat. Aber wirklich begriffen hat er es nicht. Scheiss auf ihn. Oder sie. Aber vermutlich ihn. Und scheiss auf die Fotzen, die aufgrund der geschlechtlichen Zuordnung sich an die Muschi & Brüste gefasst haben, weil sie ja naturbedingt so empathisch und sozial drauf sind. Ein Auseinanderpflücken von Geschlechterrollen wird noch folgen. Doch erst einmal ist Schluss für heute und ich verbleibe voller Verachtung für den Abschaum da draussen und sage Hände hoch oder auch nicht, denn ich schiesse so oder so. 
 
- RvH - 01.11.2021 - 19:38 - 0461 -