Ich gebe auf. Am 27. Tage des Novembers, in
dessen Hälfte ich die 30 überschritt, entschied ich mich dazu, die Scheisse hier
doch zu lassen. Es gibt keine Hoffnung auf eine würdige Fortführung eines
unwürdigen Daseins als gescheiterter Künstler. Diese Schande hier hat mich erst
aufgefangen, um mich schliesslich in mein Grab zu begleiten. Einst sollte es
lediglich ein Beiwerk zur Essenz meiner Kunst darstellen, doch hielt sie diese
nur auf und liess mich an ihrem Umfangreichtum zerbrechen. So wird es also auch
mit der Musik nichts mehr, da ich auch in Zukunft unfähig sein werde, diese
halbwegs vernünftig umzusetzen, geschweige denn in der Genialität, wie es mir
stets vorschwebte. Mit den Jahren steigerte sich mein Perfektionismus ins Unermessliche
und so sollte geschehen, was schon Millionen vor mir erleben mussten: Es wurde
dann doch nichts. Die 7 werde ich noch vollmachen, danach ist Schluss. Zahlentechnisch
angemessen, denn auch die endgültige Anzahl an Weissen Ungetümen wird sich
zumindest auf 466 festlegen. Heil Satan! Irgendwo in all den Leichen findet sich
bereits ein Abgesang auf das Werk, daher ist dies nicht mehr vonnöten. Egal.
Vermutlich werde ich sogar an den letzten 3 Blogeinträgen scheitern. Keine Spitze
des Eisbergs, nur Scheissdreck. Kein dada statt blabla, nur der Gestörteste
Mann der Schweiz, der ungesehen unterging. Immerhin konnte er sich ein kleiner
Skandal herbeischreiben, der erst zu einer Hausdurchsuchung wegen allfälliger
Waffen geführt hat und durch eine dadurch ausgelöste Ereigniskette schliesslich
zum Rauswurf aus der Wohnung führte. Nun bin ich in der wahren Hölle eines
Bünzlighettos angelangt und es stellt sich nur noch die Frage, ob ich vom Turm
in Regensberg - meines ehemaligen Wohnorts, wo alles den Bach runterging - springe,
oder mir hier in der neuen Gegend einen schönen Tatort des Suizids aussuche. Kommt
auf meine verbleibende Energie an, wie weit sie mich noch tragen kann. Vielleicht
verhungere ich auch einfach. Habe ich schon mal versucht, doch der erbärmliche Überlebenswille
in mir hat mich doch noch davon abgehalten, weil ich damals noch Hoffnungen
hatte. Die sind mittlerweile ausgestorben. Der letzte Funke Naivität wurde mir
in dieser Hölle genommen, nun gibt es keinen Grund mehr weiterzuleben. Der
Abschaum hat zu Beginn der Saga die letzten Voraussetzungen für seinen
persönlichen Untergang geschaffen und es bliebe mir nichts anderes mehr übrig,
als diesem traurigen Spektakel passiv beizuwohnen. Auch wenn ich vom Druck der
Saga befreit noch ein wenig Energie tanken würde, um noch ein paar Jahre
weiterzumachen, wäre auch dieser Tank schon bald leer und bis dahin würden noch
einige schlimme Dinge passieren, die mein verwirrter Geist von mir verlangt.
Das ist selbst unter meine Würde. Die Gewaltfantasien werden von Tag zu Tag
stärker, die Hemmung sinkt und im Weg herumstehende Passanten werden immer
heftiger beschimpft. Heute zum Beispiel ist mir ein kleines Fötzchen über den
Weg gelaufen, die erst brav auf der anderen Seite des Gehsteigs entlangging,
doch als sie mich erblickte, mir direkt vor die Füsse gelaufen ist und nicht
auf die Idee kam, die Seite wieder zu wechseln und stattdessen erwartete, dass
ich der werten Dame ausweiche. Hab ich dann auch gemacht. Wäre auf der anderen
Strassenseite niemand gewesen, ich schwöre, ich hätte sie umgeschubst, so hart
wie nur möglich. Doch hab ich dann nicht gemacht. Scheiss auf sie. Für künftige
Leser des Tagebuchs meiner letzten Tage: Es gibt durchaus ein paar wirklich
gute Texte hier auf Rap oder Club 27. Ihr müsst euch bei angemessener geistiger
Instabilität nur von Anfang an drauf einlassen und ihr erkennt den Wahnsinn, der
diesen Dreck hier lange getragen hat. Es ist mir dennoch eine Art Meisterwerk
eines depressiven Gonzos gelungen. Erst nach gut zwei Jahren ist ihm dann
aufgefallen, dass er abermals einen zu schwachen Geist eingenommen hat.
Immerhin deutlich früher als beim letzten Mal. Wer wird sein nächstes Opfer
sein? Oder wird dies hier irgendwann als Warnung fungieren, damit sich niemand
jemals wieder auf solch eine wahnsinnige Kunstfigur einlassen wird, weil dies
unweigerlich irgendwann zum Suizid des Befallenen führen wird? Oder vielleicht
bin ich der Patient 0, der eine Pandemie der gonzoesken Aufzeichnungen der
Apokalyptischen Zeitgeschichte verursachte, ohne diese jemals selbst mitzuerleben.
Schade drum, doch was Besseres ist bis jetzt nicht nachgekomm. Also lassen wir
mal die Ankündigung zum Ende der Saga sacken. Dickes Sorry an meinen einzigen, offenbar
in Portugal lebenden Leser.
- RvH - 27.11.2021 - 21:04 - 0464 -